Lausitzer Rundschau Elbe - Elster - Kreis

"Kugel-Balance-Akt des Circus Rolandos"
Darbietung mit Tradition in Doberlug-Kirchhain

Virginia Krämer(13) ist in die Fußstapfen ihrer Mutter Edith Krämer getreten - sportlich-elegant auf der Kugel, die die junge Artistin nur durch die Kraft ihrer Füße und Zehen lenkt. "Ein Balance-Akt, der Können verlangt", erklärt die Chefin des Familien-Zirkus Rolandos aus Herzberg , der ab heute in DoburgKirchhain gastiert.


Von Kathleen Weser

"Mit genau der Nummer bin ich vor dreißig Jahren selbst aufgetreten", erklärt Edith Krämer. ...


Lausitzer Rundschau Elbe - Elster - Kreis Mittwoch, 8. Februar 2006

"Da hoch will ich auch"
Virginia Krämer aus Herzberg ist Deutschlands jüngste Trapezkünstlerin

Herzberg Höhenangst kennt Virginia Krämer nicht. Schon als Siebenjährige zog es sie hoch hinaus, erstürmte sie heimlich und ohne Wissen der Eltern die Spitze der Zirkuskuppel. Dort einmal angekommen, hat sie für sich den Platz im Leben entdeckt. Ein Star in der Manege ist sie allerdings schon jetzt - als jüngste Trapezkünstlerin Deutschlands.


Von Sven Gückel

Wer wie Virginia den Circus mit der Muttermilch aufnimmt, kann sich kaum ein anderes Dasein vorstellen. Dieser prägnante Geruch, das Reisen durch die Lande und nicht zu vergessen der Applaus des Publikums als Lohn vieler Mühen. Wenn die zwölfjährige heute darüber spricht, meint man zu glauben, die Manege bestimmt seit Jahrzehnten ihren Lebensweg. "ein Leben außerhalb des Zirkus kann ich mir nicht vorstellen", fasst sie es in klare Worte.
Den Grundstock für dieses Interesse legten neben den Eltern Edith und Roland Krämer zwei Artisten, die als die "Berolinas" für längere Zeit im Familieunternehmen "Rolandos" beschäftigt waren. Manuel Linnemann und dessen Schwester Jaqueline boten am Trapez eine derart atemberaubende Luftakrobatik, die Virginia von Beginn an faszinierte. "Da hoch will ich auch", teilte sie ihrer Mutter entschlossen mit. Als Jaqueline Linnemann aufgrund familiären Zuwachses die Manege verließ, sah der Jungstar seine Stunde gekommen. "Permanent löcherte sie uns, gemeinsam mit Manuel auftreten zu dürfen", blickt Edith Krämer schmunzelnd zurück. Der so Umworbene gab dem Drängen schließlich nach und sagte zumindest regelmäßige Trainingsstunden zu. Immer wieder berichtete Virginia ihren Eltern fortan von ihren Erfolgen - auf den so sehnlichst erhofften Auftritt musste sie allerdings noch warten. Vor allem Roland Krämer war skeptisch. Die Gefahr, zu viel zu wollen, ist schließlich groß. Gesundheitliche Schäden sind oftmals das Resultat ungebremsten Eifers. Zehenhang, Genickhang und andere für ihr Alter noch längst nicht bestimmte Darbietungen wollte Virginia erlernen. Erlaubt wurde es ihr aus benannten Gründen nicht. "Also tat ich es heimlich", gibt sie heute zu.
Fast ein Jahr trainierte Linnemann mit seinem Schützling. Endlich schien auch für ihn der Zeitpunkt gekommen, das Können seines jungen Talentes einer breiten Öffentlichkeit vorzuführen. "Wir waren erschrocken, welche Kraft, Eleganz und Akrobatik in ihr steckten", erzählt Edith Krämer. Vater Roland, bis zuletzt ein Skeptiker, standen Tränen in den Augen. Das Kostüm, in dem Virginia die Familiendarbietung zeigte, tat ein Übriges dazu. Angestachelt von derart großer Begeisterung innerhalb der Familie wollte die junge Künstlerin nun endlich in die richtige Manege. Das Publikum spüren, den Applaus ernten. Als Auftakt der Kariere wählten die Eltern die Premiere in Herzberg. Ein Augenblick, der für sie prägend war.
Einmal täglich heißt es seither für Virginia zu trainieren, vorausgesetzt die Schulnoten stimmen Edith Krämer zufrieden. Denn darauf legt sie ebenso viel Wert wie auf die Artistenlaufbahn ihrer Tochter. Als Ziel gibt Virginia an, das Abitur ablegen zu wollen. Jedoch hängt dies in nicht unwesentlichen Maße auch davon ab, welche Möglichkeiten sich ihr hierbei auf den Reisen bietet. Das Zeug dazu hat sie auf jeden Fall, schätzt ihre stolze Mutter ein.
Um das Können am Trapez systematisch zu steigern, engagieren die Eltern regelmäßig Trainer für ihr begabtes Kind. Petra Sperlich, lange Zeit Trapezkünstlerin am Staatszirkus der DDR, unterstützt sie ebenso wie ein russischer Artist, den Roland Krämer in Hamburg kennen lernte.
Behutsam sollen sie Virginia nach oben führen. "Das schwierigste ist wohl dabei, Virginias Ehrgeiz zu bremsen", verdeutlicht Edith Krämer, deren eigene künstlerische Stärke einst im Kugel- und Drahtseillauf lagen. Eine Artistenschule kommt für Krämers hingegen nicht in Frage. Das aktive Leben am Zirkus bringt ihrer Tochter nach deren Ansicht mehr als der reine Unterricht. Gegen die Teilnahme an Nachwuchsfestivals ist jedoch nichts einzuwenden. Doch bis es soweit ist, soll die junge Artistin an ihrer Darbietung noch ordentlich arbeiten. Vor allem die Choreografie gilt es zu verbessern. Als Elfe, im Zusammenspiel mit Tauben , möchte sie die Jurys begeistern. Eigens dafür trainiert sie neben ihren Pflichtaufgaben am Trapez fortan auch mit Tieren. Tauben, Affen und Waschbären bieten hiefür eine breite Vielfalt.
Auch wenn, sehr zum Leidwesen aller Aktiven, der Artist kein anerkannter Beruf mehr ist, kommt für Virginia Krämer kein anderes Berufsziel in Frage. Das Arbeiten in luftiger Höhe, Bodenakrobatik, Drahtseildarbietungen und Äquilibristik sind Dinge, denen ihre Leidenschaft gilt. Vielleicht lässt sich dabei auch einmal ein Auftritt mit ihrer jüngeren Schwester Scarlett (8) arrangieren, die vom "Fieber Zirkus" gleichsam infiziert ist wie Virginia. Auch wenn deren Talent eher auf der komischen Seite zu finden ist.


Chemnitzer Morgenpost Mittwoch, 20. Oktober 2004

Angelique bezaubert als Pippi Langstrumpf


In der Zirkus-Schule ist Angelique Leyseck(9, F.) eine ganz normale Schülerin. "Am liebsten habe ich Mathe- und Deutschunterricht", verrät sie. "Aber Kunst kann ich gar nicht leiden."
Neben Reiten und Schwimmen gehört selbstverständlich der Zirkus zu Ihren großen Hobbys. In der Manege des Variete Circus Rolandos bezaubert Angelique die Zuschauer mit Ihrer niedlichen Pippi Langstrumpf Show und kreisenden Hula-Hopp-Reifen."Wenn ich groß bin, möchte ich Artistin werden und Kunststücke mit Pferden aufführen", verrät die Neunjährige.